Valbyparken: 9 Learnings aus Helle Nebelongs ikonischem Naturspielraum

Die dänische Landschaftsarchitektin Helle Nebelong hat mit dem Valbyparken in Kopenhagen einen Ort geschaffen, der Natur, Spiel und Gestaltung auf einzigartige Weise verbindet – ein weltweit bekanntes Vorbild für naturnahe Spielräume. Im letzten Sommer durfte ich den Park gemeinsam mit seiner Planerin erkunden. In diesem Artikel teile ich meine neun wichtigsten Learnings – Erkenntnisse, die zeigen, warum dieser Ort bis heute als Ikone der naturnahen Spielraumgestaltung gilt.

Das erwartet dich in diesem Artikel

    Valbyparken: Weit mehr als ein Spielplatz

    Im Sommer 2025 war ich mit meiner Familie in Kopenhagen. Wie in allen Städten, die ich besuche, stand auch hier etwas ganz oben auf unserer Liste: neue Spielplätze zu erkunden.

    Das mache ich besonders gerne, wenn ich mit meinem fünfjährigen Kind unterwegs bin. Mein Kind gibt mir die Möglichkeit, ganz genau zu beobachten, wie Räume tatsächlich genutzt werden. Wo es verweilt, was es herausfordert und was es immer wieder zurückzieht. Vor allem, wie lange es gerne in einem Spielraum bleiben möchte. Das ist natürlich auch ein wichtiges Kriterium für Eltern, um einen Spielplatz auszuwählen.

    Im Valbyparken haben wir einen persönlichen Rekord aufgestellt: Wir waren über einen halben Tag dort – und ehrlich gesagt, wäre ich noch länger geblieben!

    Fertiggestellt im Jahr 2003, der rund 20.000 m² große Naturspielplatz im Valbyparken wurde von Helle Nebelong in Zusammenarbeit mit dem Amt für Natur & Umwelt der Stadt Kopenhagen entworfen. Auftraggeber war das Park & Nature Department der Stadt. Die Zeichnung wurde von Timoteo Ebikon von Hand koloriert.
    © Helle Nebelong

    Warum funktioniert dieser Ort als Naturspielraum so außergewöhnlich gut?

    Dieser Frage bin ich gemeinsam mit der Planerin Helle Nebelong nachgegangen. Bei einem Spaziergang durch den Park wurde mir schnell klar, dass seine Gestaltung weit über ästhetisches Design oder komplexe Spielelemente hinausgeht.

    Hier geht es darum, die Natur gestalten zu lassen und Räume zu schaffen, die zum selbstständigen Entdecken einladen. Kurz gesagt: Den Kindern den Raum zurückgeben, der ihnen immer gehört hat und der durch Stadt und Beton verdrängt wurde.

    Der Valbypark ist weit mehr als nur ein Spielplatz. Er ist eine lebendige Landschaft, in der Kinder spielen, Erwachsene verweilen und Gemeinschaft entsteht.

    Aus diesem Besuch habe ich neun zentrale Erkenntnisse mitgenommen, die sich auf viele andere urbane Räume übertragen lassen und erklären, warum der Valbypark bis heute als Ikone der naturnahen Spielraumgestaltung gilt.

    Learning 1: Wege, die verbinden – die Bedeutung der Rundwege

    Eines der ersten Elemente, die im Valbypark auffallen, ist der großzügige Rundweg. Dieser Weg strukturiert nicht nur den Raum, sondern lädt auch zum Erkunden ein. Sie führen Kinder und Erwachsene immer wieder zu neuen Blickwinkeln, Spielsituationen und Begegnungen.

    Der Rundweg im Valbyparken ist jedoch weit mehr als eine landschaftliche Geste. Er ist entsprechend der Prinzipien des Universal Designs gestaltet und erfüllt außerdem weitere pädagogische Funktionen.

    Wie Helle Nebelong mir beim Spaziergang erklärte, hat sich der Weg auch als sicherer Orientierungsraum erwiesen – besonders bei Gruppenbesuchen von Kindergärten oder Schulen mit Kindern unterschiedlichen Alters. Der Raum innerhalb des Rings bietet den Jüngsten einen überschaubaren, gut lesbaren Raum, in dem sie sich selbstständig bewegen können. Dort finden sie sensomotorische Spielangebote wie Sandlandschaften oder Wasserspiele.

    Die intensiveren und herausfordernderen Spiel- und Erfahrungsräume liegen weiter draußen, wo ältere Kinder reichhaltigere Spielangebote finden, die ihrem Entwicklungsstand entsprechen. Der Weg verbindet alle Bereiche miteinander und schafft so eine klare, intuitive Ordnung, die Kinder verstehen, ohne dass sie erklärt werden muss.

    Der gesamte Spielplatz wird von einem kreisförmigen, 210 Meter langen Holzsteg umschlossen, der etwa einen halben Meter über dem Boden „schwebt“. Auf diesem Rundweg stehen fünf markante Türme, die im Jahr 2000 von Studierenden der Danish Design School entworfen wurden. Jeder Turm setzt sich mit einem Naturthema auseinander – Licht, Wind, Grün, Vögel und Veränderung – und dient zugleich als spielerischer Orientierungspunkt im Gelände.

    Learning 2: Landschaft als Lehrmeisterin

    Die Arbeit von Helle Nebelong ist stark von natürlichen Landschaften geprägt. Dünen, Wälder, Küstenräume. Dabei geht es ihr jedoch nicht darum, die Natur zu imitieren oder zu kopieren. Vielmehr übersetzt sie die vorhandenen landschaftlichen Prinzipien in gestaltete Räume. Höhen und Senken entstehen dabei nicht als formale Elemente, sondern als Erlebnisräume. Materialwechsel, Bodenstrukturen und Vegetation folgen einer Logik, die sich an natürlichen Prozessen orientiert und zugleich von der jeweiligen lokalen Landschaft inspiriert ist.

    Dies wird im Valbyparken besonders deutlich. Der Park wirkt nicht im klassischen Sinne entworfen, sondern eher gewachsen. Kinder bewegen sich hier ganz selbstverständlich durch die Landschaft, folgen Linien im Gelände, verändern Wege und nutzen Hügel, Mulden und Übergänge für ihr eigenes Spiel. Die Landschaft bestimmt keine konkrete Funktionen fest, sondern macht Angebote.

    Im Valbyparken wird der Natur genug Raum gelassen, um sich zu entwickeln und neue Spielangebote zu schaffen: durch versickerndes Wasser, unebenes Gelände und alternde Materialien.

    Die Landschaft lehrt uns alle – egal ob wir Kinder sind, die spielend Erfahrungen sammeln, oder Erwachsene, die die natürlichen Formen und Materialien bewusst erleben und genießen.

    Dank der Natur ist der Valbyparken ein faszinierender Spielraum für alle Generationen – ein Park für Groß und Klein.

    Auf der Mikadohøjen liegen, wie beim Mikadospiel, charakteristische, gestreifte Stäbe über einem Hügel. Sie integrieren sich in die Landschaft und laden zu offener, „unprogrammierter“ Bewegung, Klettern und freier Fantasie statt vorgegebener Spielprogramme ein.

    Learning 3: Einladend – auch für Erwachsene

    Ein zentrales Thema bei der Gestaltung von Spielräumen, das oft unterschätzt wird, ist: In heutigen Zeiten können sich Kinder kaum selbstständig durch die Stadt bewegen. Das heißt: Ein Spielraum funktioniert nur dann wirklich gut, wenn er auch für Erwachsene attraktiv ist. Genau das wird im Valbyparken sofort spürbar. Dieser Ort richtet sich nicht ausschließlich an Kinder. Die Gestaltung von Helle Nebelong lädt Erwachsene ein, zu bleiben, zu beobachten, sich zu bewegen oder einfach Teil des Raumes zu sein. Es gibt keine klar definierten Zonen, in denen Erwachsene lediglich „aufsichtführen“ sollen – sie werden als selbstverständliche Nutzer:innen des Parks mitgedacht.

    Topografie, Wegeführung und Aufenthaltsorte ermöglichen Erwachsenen unterschiedliche Haltungen: Mitgehen, mitspielen oder einfach nur sitzen und genießen. Man kann am Rand sitzen, mittendrin stehen oder langsam durch den Park spazieren, während die Kinder ihren eigenen Spielwegen folgen. Diese Gleichzeitigkeit erzeugt eine entspannte, offene und soziale Atmosphäre. Wir selbst sind den Rundweg mehrfach gegangen, während unser Kind den Raum in seinem eigenen Tempo entdeckt und erlebt hat.

    Sitzgelegenheiten und Picknickplätze befinden sich in direkter Nähe zum Spielgeschehen, sodass Familien gemeinsam Zeit verbringen können. Der Park wird am Wochenende von Familien mit Großeltern ebenso genutzt wie unter der Woche von Kita- und Schulgruppen.

    Gerade diese Einladung an Erwachsene verstärkt die Qualität des Spiels. Kinder spüren, wenn ein Ort für alle da ist und nicht ausschließlich funktional durchreglementiert wurde. So wird der Park zu einem gemeinsamen Erfahrungsraum, in dem sich Generationen begegnen, ohne sich gegenseitig zu stören.

    Der Valbyparken zeigt eindrücklich: Naturnahe Spielräume funktionieren am besten, wenn sie nicht nur für Kinder, sondern für alle gestaltet sind.

    Zwei Impressionen aus der naturnahen Bepflanzung im Valbyparken: filigrane Samenstände von Wildpflanzen und eine spielerische Kröte zwischen den Beeten.

    Learning 4: Universelles Design

    Der Naturspielplatz Valbyparken in Kopenhagen ist ein echtes Vorbild für inklusives, universelles Design. Helle Nebelong betont, dass sie Orte schaffen möchte, an denen sich Kinder jeden Alters und mit jeder Fähigkeit willkommen und angesprochen fühlen. Der Valbyparken ist rollstuhl- und kinderwagengerecht konzipiert: Sanft geschwungene Wege durchziehen die hügelige Landschaft und verbinden alle Spielbereiche barrierefrei miteinander.

    Ein 210 Meter langer Holzsteg schwebt knapp 50 Zentimeter über dem Boden und führt ebenerdig zu allen fünf Aussichtstürmen. Auch die Materialien sind bewusst vielfältig gewählt. Sand, Kies, Rinde und Wiesenflächen bieten unterschiedliche sensorische Qualitäten, was besonders wertvoll für Kinder mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen ist.

    Die Spielangebote sind altersübergreifend gestaltet. Während sich kleine Kinder in Sand- oder Wasserspielbereichen und unter Weidenhütten austoben können, erklimmen ältere Kinder Hügel, Türme und Brücken. Besonders eindrücklich ist der schneckenförmige Hügel mit einem sanften Pfad und einem Aussichtspunkt. Er gibt jedem Kind das Gefühl, „ganz oben“ angekommen zu sein. Helle Nebelong gestaltet bewusst Räume, die die Sinne anregen und Herausforderungen bieten – unabhängig vom Alter oder den körperlichen Voraussetzungen.

    Die Natur ist so eine Art gemeinsame Sprache, die alle verstehen. Sie verbindet Menschen jeden Alters und aus allen Kulturen. In Valbyparken merkt man das sofort – ein Ort, der durch Vielfalt verbindet, ohne zu vereinheitlichen.

    Besonders fasziniert hat mich der Teil des Rundwegs, der in den alten Baumbestand hineinführt. Zwischen den Bäumen verstecken sich kleine Überraschungen, zum Beispiel der Holzturm oder die Holzskulpturen in Form von Spiel-Flößen.

    Learning 5: Keine grellen Farben, keine Gummibeläge!

    Der Valbyparken hat mir noch einmal gezeigt, dass bunte Kunststoffflächen definitiv nicht notwendig sind, um einen spektakulären Spielraum zu gestalten.

    Im Gegenteil: Natürliche Materialien wie Holz und Stein ermöglichen eine viel intensivere Sinneserfahrung. Kinder brauchen keine grelle Stimulation, sondern Texturen, Schatten, Unebenheiten und Überraschungen.

    Ich würde sogar sagen, dass das einer der Gründe ist, warum dieser Ort bei Groß und Klein so beliebt ist.

    Im Valbyparken dominieren Naturfarben: das matte Braun von Rinde, das helle Grau von Kies, das Grün der Wiesen und das warme Gold der Hölzer. Anstelle industrieller Spielgeräte auf Gummiboden entstehen hier Spielorte aus Geländeformen, Wasserläufen, Steinen und Pflanzen. Die Materialität bleibt spürbar: rau, feucht und wechselhaft.

    Helle Nebelong möchte mit ihren Gestaltungen bewusst die Sinne fördern, jedoch nicht überreizen. Die Kinder tasten, balancieren, klettern und riechen – und das alles in ihrem eigenen Tempo und mit ihrer eigenen Neugier. Dabei entstehen echte Körpererfahrungen statt vorgeformter Bewegungsmuster.

    Wer braucht knallige Farben und ständige Reize, wenn man einen Ort selbst mitgestalten und so lebendig machen kann? Das Foto zeigt, wie die Kinder aktiv mitwirken: Benjeshecken und Insektenhotels sind Teil der Landschaft und gemeinsam mit ihnen entstanden.

    Learning 6: Fantasie im Detail

    In jedem Projekt von Helle Nebelong, das ich besucht habe, habe ich etwas ganz Besonderes entdeckt. Für mich ist das fast wie eine Art Handschrift, die sich durch ihre Arbeit zieht. Auch im Valbypark habe ich diese Elemente gefunden.

    Zwischen Pflanzen, Hügeln und Wegen findet man, wenn man genau hinschaut, in bestimmten Ecken immer unterschiedliche Steine in organischen Formen unterschiedlicher Größe. Sie sind kleine oder große Kunstwerke, die tatsächlich von Künstlern gestaltet wurden. Manchmal liegen sie einfach da, manchmal scheinen sie bewusst platziert zu sein.

    Diese Elemente sind weder als Dekoration noch als Skulpturen gedacht. Sie gehören einfach zur Landschaft und zum Spiel. Sie laden ein, Geschichten zu erfinden, Kinder können daraus Tiere, Inseln, Bühnen oder Verstecke machen.

    Besonders fasziniert hat mich, wie selbstverständlich hier die Grenzen verschwimmen: zwischen Kunst und Alltag, zwischen Gestaltung und freiem Spiel. Dieses subtile Detail macht Helle Nebelongs Arbeit für mich so besonders.

    Die Fantasie steckt nicht im großen Konzept, sondern im Detail. In den kleinen Dingen, die still genug sind, um Raum zu lassen. Raum für das Einzige, was zählen sollte: freies Spiel.

    Schildkrötestein zum Spielen. In jedem Projekt von Helle Nebelong, das ich besucht habe, habe ich diese spielerischen Kunstwerke gefunden. Unterschiedliche Steine in unterschiedlicher Größe und Formen.

    Learning 7: Die vier Elemente der Natur

    Bei vielen Projekten von Helle Nebelong in Kopenhagen ist mir die konsequente Integration der vier Elemente der Natur aufgefallen. Auch im Naturspielplatz des Valbyparken werden diese als zentrale Erfahrungsträger verstanden. Helle Nebelong gestaltet Landschaften, die mit dem ganzen Körper und allen Sinnen erlebt werden sollen.

    Das Element Erde bildet die Grundlage des Parks. Die bewusst modellierten Hügel, Mulden, Sand- und Naturflächen laden zum Klettern, Graben und Erkunden ein. Der Boden ist formbar und lebendig. Kinder bewegen sich hier nicht über eine Fläche, sondern durch eine Landschaft. Besonders der schneckenförmige Hügel mit seinem gewundenen Aufstieg macht die Topografie auf spielerische Weise erfahrbar und schafft Orte des Rückzugs ebenso wie der Aussicht.

    Im Valbyparken ist es ganz normal, dass Wasser auftaucht. Es bilden sich kleine Wasserstellen und feuchte Zonen, wo sich Regenwasser natürlich sammelt. Wasser ist hier kein spektakuläres Spielgerät, sondern etwas, das sich verändert, verschwindet und wieder auftaucht – zum Beobachten, Staunen und Experimentieren.

    Das Element Luft ist vor allem durch Offenheit spürbar. Weite Flächen, freie Sichtachsen und eine bewusste Höhenstaffelung ermöglichen es, Wind und Wetter als Teil des Spielerlebnisses zu erleben. Ein besonderer Fokus liegt auf den markanten Holztürmen, darunter dem sogenannten Wind-Turm, der das Erleben von Höhe, Bewegung und Luft verstärkt.

    Ich fand es wirklich spannend, dass das Element Feuer in fast jedem Projekt von Helle Nebelong integriert wurde, das ich besucht habe. Im Valbyparken gibt es eine Feuerstelle, die von Schulen und Kindergartengruppen genutzt werden kann.

    Das Knistern der Flammen, der Geruch von Rauch und die Ruhe, die sich am Feuer einstellt, sprechen die Sinne an, die im urbanen Alltag oft verloren gehen.

    Feuer wird hier als sozialer Mittelpunkt verstanden – als Ort des Zusammenkommens, des Wärmens und des gemeinsamen Erlebens.

    Learning 8: Spielräume als Haltung

    Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis, die ich aus dem Valbyparken von Helle Nebelong mitnehme: Wichtiger als eine Formensprache im klassischen Sinne ist hier eine Haltung. Der Valbyparken ist viel mehr als „nur” ein naturnaher Spielplatz. Es ist ein Ort, an dem Kinder sein wollen – unabhängig von Alter, Fähigkeiten oder Erwartungen. Ein Ort mit Räumen, die stärker an Landschaft als an Spielgeräte erinnern.

    Kinder bevorzugen offene Spielmöglichkeiten. Formen, die nicht festlegen, was sie sind. Ein Hügel kann Berg, Boot, Haus oder Monster sein. Ein Stein kann heute eine Bühne und morgen ein Rückzugsort sein. Diese Offenheit fordert nichts ein – und genau dadurch entsteht Spiel. Offene Gestaltung bedeutet offenes Denken. Und vielleicht ist es genau das, was Nebelongs Parks so zeitlos macht.

    Am Ende steht kein starres Designkonzept, sondern ein offenes Angebot mit Struktur, das gleichzeitig flexibel ist und den Kindern Vertrauen schenkt. Vertrauen in die Kompetenz der Kinder. Vertrauen in ihre Fähigkeit, Räume zu lesen, zu verändern und sich anzueignen. Vertrauen in Einfachheit, in Materialien und in die Kraft der Landschaft selbst.

    Valbyparken zeigt es sehr deutlich: Gute Spielräume sind keine Produkte, die bis ins Detail kontrolliert werden müssen. Sie sind gelebte Orte. Orte, die Raum lassen für das, was nicht geplant ist. Weniger Kontrolle, mehr Mut zur Offenheit – und damit die Möglichkeit für ein Spiel, das Kinder selbst strukturieren können. Ein Spiel, das Tiefe hat.

    Das ist für mich das die größte Qualität von Helle Nebelongs Arbeit: Sie plant nicht für ein bestimmtes Spiel, sondern für das Vertrauen, dass Spiel entstehen wird.

    „Guck mal, Mama, jemand hat den Weg gesperrt!“, sagte mein Kind überraschend.

    Interessant, dachte ich, denn ich hatte eine Brücke gesehen. Genau darin liegt die Magie der Natur: Ein Stamm kann alles sein, wohin die Fantasie uns trägt.

    Learning 9: Hinter den Spielkulissen

    Etwas, das ich nicht unerwähnt lassen möchte, ist die Infrastruktur des Naturspielplatzes im Valbyparken. Nach einem halben Tag dort frage ich mich:

    Warum ist das nicht überall Standard?

    Nach fünf Jahren Mutterschaft und dem Erkunden von Spielplätzen überall ist es das erste Mal in Kopenhagen, dass ich so ein Konzept erlebe. Gemeint sind die kleinen, aber entscheidenden Dinge, die das Spielen im öffentlichen Raum nicht nur ermöglichen, sondern auch wirklich familienfreundlich gestalten.

    Im Valbyparken gibt es ein schlichtes Containergebäude, das alles Notwendige bündelt: saubere Toiletten, ein Waschbecken in Kinderhöhe, eine Wickelmöglichkeit, kostenlos nutzbare Dreiräder – und, das Wichtigste, Menschen vor Ort. Freundliches Personal ist während der Öffnungszeiten anwesend, ansprechbar, hilfsbereit – einfach da, wenn man sie braucht. Einen kostenlosen Kaffee haben sie uns sogar angeboten!

    Diese Freundlichkeit habe ich besonders geschätzt, als mein Kind sich das Knie aufschürfte, nachdem er vom Schneckenhügel aus lauter Enthusiasmus runter gerollt war. Ohne zu zögern, bekam ich ein Desinfektionsmittel und ein Pflaster. Kein großes Drama. Aber ein Moment der Fürsorge, der uns besonders in Erinnerung bleibt.

    Die „Legeplads Valbyparken“ wird als öffentlicher Aktivitätsort mit Drop-in-Angeboten betrieben – es ist also immer während der Öffnungszeiten jemand zum Unterstützen da, Pflaster zu holen, Eltern einen Kaffee anzubieten oder einfach die Feuerstelle zu überprüfen!

    Über Helle Nebelong

    Helle Nebelong ist eine dänische Landschaftsarchitektin mit einem zusätzlichen Masterabschluss in Public Management. Sie gilt als Pionierin im Bereich naturnaher Spielräume und hat sich auf die Gestaltung von öffentlichen Freiräumen für Kinder, therapeutische Landschaften (Health Design) sowie auf Universelles. Design, spezialisiert – also inklusive und zugängliche Gestaltung für Menschen aller Altersgruppen und Fähigkeiten.

    Sie war über zehn Jahre lang für die Stadt Kopenhagen tätig, unter anderem als Leiterin eines interdisziplinären Teams, das einen Aktionsplan zur Verbesserung der Barrierefreiheit in der Stadt entwickelte. Ihre Expertise verbindet somit kreative Entwurfsarbeit mit gesellschaftlicher Verantwortung.

    Zu ihren bekanntesten Projekten zählen der Garten der Sinne im Fælledparken sowie der Naturspielplatz im Valbyparken, der international als eines der gelungensten Beispiele für naturnahes Spielplatzdesign gilt.

    Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ländern vorgestellt – zuletzt auch in den USA, wo sie den größten Naturspielpark des Bundesstaates Illinois mitgestaltet hat. Mit über drei Jahrzehnten Berufserfahrung gilt Helle Nebelong heute als eine der wichtigsten Stimmen für kindgerechte, ganzheitliche Freiraumplanung in Europa.

    Es war mir eine Ehre, den Valbyparken in Kopenhagen zusammen mit seiner Planerin, der Landschaftsarchitektin Helle Nebelong, zu besuchen 💚 Vielen lieben Dank!

    Dr. Cristina L. Lindemann

    Hi, ich bin Cristina, Naturgartenplanerin und Expertin für kindgerechte Städte und naturnahe Freiräume. Meine Mission: Kindern die Natur zurückgeben, die in der Stadt fehlt. Ich helfe dabei, mehr Natur in alltägliche Räume zu bringen, damit Kinder unabhängig von Platz und Ressourcen in einer natürlichen Umgebung aufwachsen können. Ich lebe in Potsdam und habe einen kleinen Garten, in dem wir mit meinem fünfjährigen Sohn die Welt entdecken.

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